Samstag, 29. August 2015

Studieren mit Kind

Neulich habe ich auf einem Blog einen Artikel über das Studium mit Kind gefunden, der zumindest für mich sehr interessant war (Leider weiß ich nicht mehr auf welchem Blog das war, deswegen fehlt hier der Link!). Denn ich bin so eine: Eine Mama, die ihr Kind im Studium bekommen hat. Und da ich nicht die einzige bin, die sich über so etwas Gedanken machen "musste", möchte ich heute über meine ersten Erfahrungen berichten und vielleicht die eine oder andere Studentin ermutigen (oder entmutigen?!), die vor solch einer Entscheidung steht. Es soll aber angemerkt werden, dass ich mit nicht mal sieben Monaten Mamisein natürlich noch nicht all zu viel Erfahrungen sammeln konnte.

Als ich klein war, habe ich immer gesagt "Mit 14 Jahren bekomme ich mein erstes Kind." Man wurde älter und stellte fest, dass 14 Jahre nicht gerade das Alter war, in dem man über Kinder nachdenken sollte ;-) (Hut ab, an alle Mamis, die soooo jung Kinder bekommen!). Fakt war, dass es schon immer mein größter Wunsch war später eine Familie zu gründen und ich "nicht so alt" sein wollte, wenn ich mein erstes Kind bekomme. Schließlich wollte ich immer vier Kinder (zwei war mir zu wenig und ungerade Zahlen mag ich nicht so gerne, also mussten es vier sein... versteht man doch oder? :D). Mit der Zeit - wir befinden uns immer noch irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsenwerden - beschloss ich, dass "alles ab 25 Jahren" ein ganz guter Zeitpunkt wäre ein erstes Kind zu bekommen. Ich machte Abitur, lernte meinen Freund kennen und fing kurze Zeit später mein Studium an. Afrikastudien. Ich wollte in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden - was Gutes tun. Projekte mit Kindern organisieren. Vor meinen Augen, naiv mit gerade mal 20, war ich überzeugt, dass das schon irgendwie klappen würde und meine Eltern waren damals, denke ich, erstmal nur froh, dass ich mich nicht für ein Kommunikationsdesign Studium ("Brotlose Kunst") eingetragen habe. Nach fast drei Jahren stellte ich aber ernüchternd fest, dass es vielleicht doch nicht das war, was ich mir vorstellte und vor allem schwer realisierbar war. Vielleicht auch eher die brotlose Kunst, von der man so gerne spricht. Vielleicht auch, weil ich nicht der Typ war, der sich von Anfang an bemühte Kontakte zu knüpfen. Wie auch immer - ich schloss meinen Bachelor erstmal ab und erkundigte mich zeitgleich nach Ausbildungen, anderen Studiengängen etc. Letztlich hörte ich auf mein Herz und trug mich mit 24 Jahren für Grundschullehramt ein, was ich bis dato studiere. Ich rechnete mir aus, dass ich mein Zweitstudium mit 30, 31 Jahren beenden würde. Dann würde es erstmal Arbeiten heißen und dann Kinder... nein, das war mir einfach alles zu spät. Aber da mein Freund und ich bis zur Geburt unseres Sohnes eine Fernbeziehung von 9000km (!!!) führten, musste ich eh erstmal meinen Kinderwunsch unterdrücken bis wir 2014 zu dem Entschluss gekommen sind, dass wir es versuchen - auch mit dem Gedanken dann endlich, als eine Familie, zusammen leben zu können...
Es klappte sehr schnell und da unser Sohn im Februar auf die Welt kam und ich eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft hatte, konnte ich das Wintersemester, mein 5. Fachsemester, noch problemlos beenden. Vor der Geburt schrieb ich noch zwei Klausuren - die letzte vier Tage vor der Geburt ;-). Zwei weitere schrieb ich zum zweiten Termin - sechs Wochen nach der Geburt. Eine davon konnte ich mit 1,0 abschneiden :-). Mein Freund kam damals mit meinem Sohn mit und wartete draußen, so dass ich ihn nach der Klausur gleich stillen konnte. 
Unser Sohn kam wie gesagt im Februar zur Welt. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich - mal abgesehen von den zwei Klausuren im März - bis Mitte April Semesterferien hatte und wir so unsere Kennenlernphase sehr genießen konnten. Der Plan war, dass ich im April wieder anfangen würde zur Uni zu gehen. Es war das letzte Semester vor meinem zweiten Bachelorabschluss. Durch das Vorwahlrecht, was mir seit der Geburt meines Sohnes zusteht, dachte ich mir, dass ich problemlos die Veranstaltungen in den Vormittag legen könne, da mein Freund immer erst gegen Mittag los muss. Wir haben uns dann erst eine Milchpumpe geliehen und später gekauft, damit mein Freund für die Unizeiten ausgestattet ist (wer stillen möchte, dem kann ich nur eine elektrische Milchpumpe empfehlen - eine Handpumpe fand ich viiiiel zu anstrengend, wenn man so oft abpumpen muss). Mit viel Power wollte ich also ins neue Semester starten. Es waren auch nur 3,5 Veranstaltungen (allerdings viel mehr Prüfungsleistungen...) - das sollte man ja irgendwie schaffen. Dachte ich. Das erste Problem tauchte auf, dass es am Vormittag kaum Veranstaltungen gab. Da ich pendel, konnte ich eigentlich nur die Veranstaltungen um 08:15h oder 10:15h besuchen, um wieder rechtzeitig zu Hause zu sein. Ich habe mich trotzdem in spätere Veranstaltungen eingetragen und hab den kleinen König einfach mitgenommen (Ich hatte vorher die Professoren und Dozenten gefragt - im Lehramtsstudium sind Babys aber ansich keine Seltenheit in den Veranstaltungen ^^). Da sie am Anfang noch so viel schlafen, war das absolut kein Problem. Er hat während der Veranstaltung (es war eine am Tag und das eben nur an drei Tagen die Woche) immer im Kinderwagen oder Tragetuch geschlafen. Öfters hat meine Mama ihn aber auch betreut, so dass ich etwas entspannter zur Uni fahren konnte (Wir hatten bis dato nur einen sehr großen Kinderwagen - was Bahn- und Busfahrten sehr viel komplizierter machte. Die Busse sind eh schon immer gut gefüllt und dann mit Kinderwagen...). Oder ich bin nicht hingegangen. Gegen Mitte/Ende des Semesters wurde er jedoch zunehmend wacher und so kam es, dass das Mitnehmen eigentlich nicht mehr möglich war oder ich eben zwischenzeitlich den Raum verlassen habe, um die anderen nicht zu stören.
Die Prüfungsleistungen häuften sich, da ich leider auch in vorherigen Jahren öfters Klausuren geschoben habe, die ich in diesem Semester beenden musste, sofern ich meinen Bachelor abschließen wollte. Unter anderem musste eine komplette Kunstmappe hergestellt werden, die mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich mir zunächst vorstellte. Und zig Hausarbeiten - für jemanden, die das Schreiben von Hausarbeiten einfach nur schrecklich findet, eine Qual. Zeitmanagement, was Prüfungsleistungen angeht, war noch nie meine Stärke. Ich war immer der Typ "Ich mache das auf den letzten Drücker" und kam damit - abgesehen von gelegentlichem Schieben der Klausur - sehr gut zurecht, auch wenn die Tage vor den Klausuren immer stressig waren. Irgendwie brauchte ich das aber auch. Aber nun war da eben der kleine König, der zunehmend wacher wurde und Aufmerksamkeit wollte. Meine Motivation à la "Ich kriege das schon irgendwie hin" wurde zunehmend ein weinerliches "Was mache ich hier eigentlich? Das klappt so nicht!" und kam schließlich zu dem Entschluss, dass ich das Ganze doch etwas entspannter angehen muss. Sprich: Ich verlängere um zwei Semester, um entspannt meine Prüfungsleistungen zu machen, um motiviert den Master im nächsten Jahr anzufangen. Im Juli habe ich trotzdem keine Prüfungen geschrieben - ich war fertig, weil er tagsüber so schlecht schlief und habe Muffensausen bekommen (Obwohl die Noten im Bachelor recht egal sind, wollte ich meine Klausuren immer mit 1,0-1,7 abschneiden, was ich auf wenige Ausnahmen auch ganz gut geschafft habe). Nun haben wir bald September und der Zweittermin für die Klausuren rückt näher. Ich versuche abends zu lernen, aber es fällt mir schwer - weil ich immer der Typ war, der viel Zeit für mich braucht. Um "nichts" zu machen. Mit Kind geht das aber eben nicht mehr (so gut) - schon gar nicht, wenn man nebenbei noch lernen muss. Das ist für mich noch immer eine große Herausforderung - doch ich gebe mein Bestens, damit ich jetzt im September meine Klausuren erfolgreich schreiben kann - auch wenn sie ggf. dann nicht mehr soooo ausfallen, wie ich es einst wollte. Schließlich möchte ich dem kleinen König irgendwann auch mal etwas mehr bieten können, ihm die Welt zeigen etc. Die zwei Semester, die ich jetzt verlängert habe, nutze ich, um meine offenen Prüfungsleistungen abzuschließen und vor allem mich auch langsam an eine neue Herangehensweise zu gewöhnen - und vor allem, um das erste Jahr unseres Sohnes intensiver zu erleben.
Ich denke, dass die große Kunst wohl ein gutes Zeitmanagement ist, um Kind und Studium nicht zu kurz kommen zu lassen. Ich hätte sicherlich irgendwie auch noch die vielen Prüfungsleistungen schaffen können, aber...auf wessen Kosten? Ferner ist die Hilfe von Partner und/oder Großeltern eine sehr wichtige Stütze. Sei es, um überhaupt zur Uni gehen zu können oder um Zeit zum Lernen zu finden. Dank der Hilfe meiner Eltern und dank der super Unterstützung meines Freundes sehe ich ganz zuversichtlich in die Zukunft.
Ab nächstem Jahr hat der kleine König vermutlich einen Betreungsplatz, damit ich entspannt meinen Master anfangen kann. Da ich ihn aber auf keinen Fall den ganzen Tag dort lassen möchte, versuche ich die Zeit aufs Minimum zu begrenzen.

Abschließend möchte ich nochmal zum finanziellen Punkt kommen. Da ich bis zum Mutterschutz "nur" auf 450 Euro Basis gearbeitet habe, steht mir "nur" der Mindessatz von 300 Euro pro Monat an Elterngeld plus 184 Euro Kindergeld zur Verfügung. Damit habe ich zur Zeit ansich etwas mehr als zuvor, allerdings natürlich auch höhere Ausgaben. Ohne Unterstützung würde dies aber nicht reichen. Sicherlich kommt es auch drauf an, was der Papa des Kindes macht und wie und vor allem wo ihr haust - es sollte aber durchaus bewusst sein, dass man als Studenten wenig finanzielle Unterstützung hat (nur zur Info: Da ich ein Zweitstudium mache, steht mir kein BAFöG zu) und man als frische Mama es vermutlich auch kaum schafft nebenbei zu arbeiten. Ich selbst werde aber bis hoffentlich Januar wieder einen kleinen Job annehmen, der sich dann mit den Betreuungsmöglichkeiten meines Freundes deckt.

Auch wenn sich das nun sehr negativ anhört: Ich denke trotzdem, dass das Studium eine wunderbare Zeit ist Kinder zu bekommen. Wann hat man - abgesehen von der Elternzeit - so viel Zeit für sein Kind, wenn man wieder arbeiten gehen muss? Ich bin überzeugt, dass man das Ganze wuppt - wenn man eben ein wenig Disziplin (und da muss ich echt an mir arbeiten) zeigt und auch auf eine gute familiäre oder freundschaftliche Unterstützung aufbauen kann. Finanziell gesehen, kann es natürlich - gerade, wenn beide Elternteile noch Studenten sind - manchmal etwas knapp werden. Aber mal ehrlich - was braucht so ein kleiner Wurm am Anfang? Und wie viel kann man gebraucht kaufen oder bekommt es von Freunden oder Verwandten geschenkt oder geliehen? Und dennoch gönne ich meinem Kind das eine oder andere Luxusteil ;-). Wen man etwas will, dann schafft man es auch. Daran glaube ich.


Wie war oder ist es bei euch? Seid ihr im Studium Mama oder Papa geworden? Was sind eure Erfahrungen und eure Tipps?


Liebe Grüße